In einem früheren Post habe ich bereits die Methodik der Kontextinterviews angerissen. In diesem Post gehe ich genauer auf das Thema ein und behandle folgende Fragen:

  • Wie wähle ich die Zielgruppe aus?
  • Wie plane ich ich die Interviews?
  • Wie entwickle ich Leitfragen?
  • Wie erstelle ich einen Leitfaden?
  • Was gibt es bei der Durchführung zu beachten?
  • Wie dokumentiere ich Interviews?

Wie wähle ich die Zielgruppe aus?

Ein Beispiel ist eine grobe Modellierung nach Nutzermotiven und soziodemographischen Daten. So kann man beispielsweise nach potentiellen Nutzerbedürfnissen oder auch nach soziodemographischen, ökonomischen, sozialpsychologischen oder soziodemographischen clustern.

Die Auswahl der Menge an Interviews kann anhand mehrere Faktoren bewertet werden.

Generell kann man sagen, das die Anzahl der Nutzer steigt, je heterogener die Interviewten in der Menge sind. Handelt es sich zum Beispiel um eine Gruppe von Extremnutzern, kann eine kleinere Menge genauso aussagekräftig sein, wie eine grössere Menge an Gelegenheitsnutzern. Extremnutzer haben den Vorteil, das sie sich mit (z.B.) einem Produkt intensiver auseinandergesetzt haben und somit qualitativere und qualifiziertere Antworten geben können.

Wie plane ich Interviews?

Interviews werden im Vorfeld immer mit dem Auftraggeber abgestimmt und auch teilweise zusammen geplant. Als Zeitrahmen kann man sich pro Interview etwa zwei Stunden einplanen, hierbei sind jedoch Dokumentation, Verortung der Alltagsinteraktionen und Eigenschaften bereits enthalten.

Zudem ist sicherzustellen, dass weitere Materialien wie Incentives, Geheimhaltungserklärungen und weitere Dokumente während des Interviews verfügbar sind. Ausserdem ist zu beachten, dass sämtliche Ressourcen zugegen sind, um etwa zu dokumentieren und zu interviewen.

Wie entwickle ich Leitfragen?

Wichtig ist, dass Leitfragen in einer Art vorbereitet werden, dass ein roter Faden erkennbar durch das gesamte Interview führt. Generell muss eine Aufeinanderfolge der Interviewfragen nicht eingehalten werden, man kann sich in den Interviews den Situationen anpassen – wenn man trotzdem zu den gewünschten Ergebnissen (also Antworten) gelangt. Alle Leitfragen sollten offen gestellt werden (im Idealfall mit “W” beginnend) und die Ebenen der User Experience bedienen, dabei auch mit dem Schwerpunkt auf auf die Bedürfnisse – also die BE-Goals.

Um die Ebenen zu addressieren, folgend ein paar Beispielfragen mit jeweiliger Abdeckung der UX Goals:

Goal

Beispielfragen

Kontext Wie viel Erfahrung hat die Person mit der Nutzung des Produktes?Wie ist die Einstellung der Person zum Produkt?Wie oft nutzt diese Person das Produkt?
Touch Wo bzw. wie sucht die Person nach Informationen?Welche Infokanäle sind für die Person besonders wichtig?Welche Stelle ist für die Person kaufentscheidend?
Be Warum nutzt eine PErson genau dieses Produkt?Welche Methode führt zur Nutzung des Produktes?Welche psoitiven Erlebnisse verbindet die PErson mit dem Produkt?
DO Welche Handlungen führt die Person zu genau diesem Produkt?Welche konkreten Ziele hat die PErson bei der Nutzung dieses Produkts?Was muss das Produkt unbedingt leisten, aus welchem Grund?
Motor Welche Besonderheiten sind für die Person relevant?Welche Bedingungen stellt die PErson an die Nutzung?Wie alt ist die Person?

 

 

Was gibt es bei der Durchführung zu beachten?

Es gibt im generellen einige Fehlerfallen, welche die Ergebnisse eines Tests verwässern. Es ist im Besonderen darauf zu achten, dass ich die beiden Seiten “Interviewte Person” und “Interviewer” in dieser Situation weder gegenseitig beeinflussen, noch die interviewte Person in eine “brenzlige Lage versetzt” wird.

Eine Beeinflussung kann etwa durch folgende Faktoren geschehen:

  • selbsterfüllende Prophezeihungen
    Das Verhalten, bzw. die Antworten entwicklen sich nach der Fragestellung des Interviewers
  • Attributionsfehler
    Der Interviewer neigt dazu, das Verhalten des Interviewten als sein eigenes anzukreiden und lässt keine anderen Motive zu
  • Suggestivfragen
    Der Interviewer verfälscht durch seine Fragestellungen die Ergebnisse des Interviews (Das finden sie gut, oder?)

 

Die “brenzlige Lage” kann durch die beiden folgenden Effekte entstehen:

  • Soziale Erwünschtheit
    Personen geben “gelogene” Antworten um nicht schlecht dazustehen
  • Hawthorne Effekt
    Kein natürliches Verhalten aufgrund des Beobachtungsgefühls

 

 

Wie dokumentiere ich Interviews?

Wichtig ist vor allem, die Interviewdaten spätestens direkt im Anschluss zu dokumentieren, bevor das nächste Interview beginnt um eventuelle offene Fragen falls möglich direkt per Rücksprache klären zu können. Sämtliche Alltagsinteraktionen sollten den entsprechenden Bedürfnissen zugeordnet werden und zusätzlich wichtige EIgenschaften notiert, mit Substantiven, Adjektiven und Verben näher beschrieben werden.

Nach der Interviewreihe sollten ausserdem alle PRojektbeteiligten über die Insights informiert werden um im Anschluss die wichtigsten Daten zur Weiterverarbeitung vorbereiten zu können.

Eine Zuordnung von möglichen Alltagsinteraktionen habe ich bereits in einem früheren Post beschrieben.